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  Pressemitteilung  Naumburger Tageblatt 05.09.2016
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Lebensbilder :  Vom Frontmann zum Chorchef

 

von Jana Kainz

 

Mit den „Banana Killers“, die er in der Landesschule Pforta als Schülerband mit aus der Taufe gehoben hatte, füllte Frontmann David Bong nach dem Abitur ein Jahr lang in Hamburg Clubs. Zum Leben reichte es dennoch nicht, weshalb sich die jungen Musiker von ihrem Traum einer Profikarriere verabschiedeten. Fortan gingen die Männer beruflich getrennte Wege. Bong kehrte damals in die heimischen Gefilde zurück. Inzwischen steht der 26-Jährige wieder auf der Bühne, aber nur noch mit dem Rücken zum Publikum - als Dirigent und Leiter von Chorus Cantemus Naumburg und das rein ehrenamtlich.

 

 

 

 

Ausblick  Zu erleben ist:

 

Chorus Cantemus mit seinem Leiter David Bong am Sonntag, 11. September, ab 17 Uhr in der Moritzkirche zu Naumburg. Während an diesem Tag, dem „Tag des offenen Denkmals“, der Förderverein zu Sonderführungen und Besichtigung von verwahrten Ausstattungsstücken einlädt, gestaltet der Chor den Nachmittag musikalisch mit seinem neuen Programm „Sim Shalom - Verleih uns Frieden“ aus. In diesem werden geistliche und weltliche jüdische Lieder angestimmt. Verstärkung erhält das Vokalensemble durch Aviv Weinberg (Gesang) und David Preil als Pianist.

 

Dass das Vokalensemble vor über einem Jahr einen neuen Leiter suchte, erfuhr er von einem Juristen, der Bong und dessen Chorleiterfähigkeiten aus eigener Erfahrung kannte. Immerhin hatte der junge Mann noch vor seiner Hamburg-Zeit den Singekreis des Oberlandesgerichts Naumburg ein Jahr lang geleitet. Bong musste nicht lange überlegen, ob er sich bewerben soll. „Chorus Cantemus ist ein Qualitätsträger in Naumburg, ein gemischter Chor und in meiner Heimat“ - das waren für ihn die schlagenden Argumente. Und das Glück war auf seiner Seite. Er setzte sich gegen zwei Mitbewerber klar durch - gewiss auch, weil er mit Chorleitererfahrungen aufwarten konnte.

 

Weihnachtsprojekt mit Orchester

 

Zu dieser Zeit schwang er nämlich schon für drei andere Vokalensemble den Dirigentenstock. Den ersten Chor, den er nach seiner Rückkehr aus der freien Hansestadt leitete und noch immer leitet, ist der Stadtrodaer Frauenchor. Später kamen der Gospelchor Buttstädt und das Naumburger Orkantas Doppelquartett hinzu. Chorus Cantemus machte demnach sein Chorleiterquartett komplett. Von seinen Erwartungen an dieses Ensemble sei er nicht enttäuscht worden. „Die Sängerinnen und Sänger haben eine gute Vorbildung. In die Stimmbildung muss man kaum Neues reinbringen. So kann ich mich darauf konzentrieren, das Repertoire zu erweitern“, so Bong. Mit diesem Plan rannte er beim Chor offene Türen ein. Anfangs wollten sich die Mitglieder einfach nur ausprobieren. Inzwischen werden Programme mit festem Rahmen entwickelt. Im ersten dieser Art widmen sich die Sänger jüdischer Musik. 2017 möchte er etwas ganz anderes musikalisch auf die Beine stellen. Etwas Größeres plant er bereits für die diesjährige Weihnachtszeit. „Mir schwebt ein Projekt mit einem kleinen Orchester vor“, verrät er. Inhaltlich wolle er auf moderne Komponisten wie Rutter oder Whitacre zurückgreifen. Dabei kann er auf die Unterstützung einiger seiner Kommilitonen bauen. Denn wenn Bong nicht gerade vier Chöre leitet, studiert er in Weimar Musik - anfangs im Lehramt, inzwischen in der Erweiterung für Chorleitung. „Ich wollte die Schule dann doch umgehen“, erklärt er. Für Ende 2018 plant er, seinen „Master of music“ mit besagter Facherweiterung in der Tasche zu haben.

 

Akkordeon und Klavier erlernt

 

Später würde er gern die Leitung eines Theaterchors übernehmen. Auf diese Idee verfiel er während eines Urlaubssemesters. Das hatte er genutzt, um während zwei Spielzeiten am Weimarer Theater singend auf der Bühne Erfahrungen zu sammeln. So wirkte er als Chormitglied in den Aufführungen „Lohengrin“ und „Onkel Wanja“ mit. Beruflich zieht es ihn dennoch nicht als Theaterchorsänger ins Rampenlicht. „Ich habe lieber die Fäden in der Hand, leite die Proben, um dann die Vorstellung genießen zu können“, sagt er.

 

Dass er einen musikalischen Weg einschlug, verdanke er mehreren Menschen. Alles begann mit der musikalischen Früherziehung, für die Manuela Raith in den Kindergarten kam. „Schließlich wollte ich zu ihr an die Musikschule und Akkordeon lernen.“ Da war er fünf Jahre alt und stieß bei seinen Eltern auf Verständnis. Zehn Jahre erlernte er das Instrument, förderte Manuela Raith seine musikalische Seite. „Und meine kleine Mutti hat immer das schwere Instrument geschleppt“, erzählt er mit einem Schmunzeln, in dem sich viel Dankbarkeit spiegelt.

 

Seine Eltern kauften ihm auch ein gebrauchtes Klavier, nachdem ihr Sohn, inzwischen Schüler am Droyßiger Christophorusgymnasium, außerdem dieses Instrument erlernen wollte. Anstoß dazu gab der dortige Musiklehrer. „Ich hatte Dr. Auerswald Klavier spielen gehört, da wollte ich das auch lernen und wie er Musiklehrer werden“, erinnert sich Bong an den Lehrer, der ihn sehr gefördert habe. Trotz dieser großen Unterstützung zog es ihn an die Landesschule Pforta. Nach bestandener Aufnahmeprüfung habe er in Schulpforte alles ausgelebt: das Lernen, das Internatsleben, die Musik. „Dort bin ich zum Chorgesang gekommen, habe das Schulorchester geleitet und die Banana Killers gegründet“, so Bong. Nur allzu logisch war dann der Schritt zum Musikstudium und die Erweiterung für Chorleitung. Bong: „Ich kann mir nicht vorstellen, was anderes zu machen.“

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